Hohe Räume niedriger wirken lassen

Farben für hohe Räume Hohe Räume niedriger wirken lassen mit den richtigen Farben

Hohe Räume wirken großzügig und beeindruckend – vor allem, wenn wir dabei an imposante Altbau-Wohnungen mit jeder Menge Stuck denken. Trotzdem haben sie manchmal etwas Ungemütliches, wirken leer oder schwer greifbar.

Wenn du die Auswahl der Farben und ihre Verteilung im Raum geschickt anpasst, kannst du hohe Räume optisch ausbalancieren.

Dann entsteht ein behagliches Raumgefühl, das Weite zulässt und trotzdem Geborgenheit vermittelt.

Farbe & Raumwirkung: So gestaltest du „schwierige“ Räume

Farben beeinflussen, wie wir Größe, Höhe, Licht und Atmosphäre in Räumen wahrnehmen. In dieser Artikelreihe zeige ich dir, wie du mit gezielter Farbgestaltung unterschiedliche Raumproportionen ausgleichst und ein stimmiges, wohnliches Raumgefühl schaffst.

Alle Beiträge der Serie:

1. Beziehe die Decke ganz bewusst mit in dein Farbkonzept ein


Weiße Decken verstärken in hohen Räumen häufig das Gefühl von Distanz. Die helle Fläche wirkt weiter entfernt als sie tatsächlich ist. So entsteht der Eindruck von noch mehr Höhe und man fühlt sich schnell etwas verloren.

Ein leicht abgetönter Deckenfarbton – etwa ein sanftes Off-White, ein heller Sandton oder ein neutral-warmes Grau – lässt die Decke optisch näher rücken und sorgt für mehr Ruhe und Zusammenhalt im Raum.

Wichtig bei der Auswahl des geeigneten Farbtons für die Decke ist die jeweilige Wandfarbe:

Zu warmen Wandfarben passen Off-White oder Sandtöne. Zu kühleren Wandfarben passen Off-White oder Grautöne.

Know-how

Welche Stimmung soll der Raum erzeugen?

Überlege dir im Vorfeld, welche Stimmung der Raum erzeugen soll.

  • Für Ruhe und Regeneration eignen sich Farbtöne aus der kalten Farbfamilie – also zum Beispiel Grau-, Blau- oder Grüntöne.
  • Für mehr Geselligkeit und Kommunikation setzt du besser auf warme Farben – dazu gehören Braun-, Rot- oder Gelbnuancen.

2. Achte auf eine horizontal ausgerichtete Wandgestaltung


Horizontale Linien lenken den Blick bewusst in die Breite statt in die Höhe. Unser Auge hat nämlich die Angewohnheit, mehr oder auch weniger ausgeprägten Linien ganz automatisch zu folgen.

Farbige Wandabschlüsse, waagerechte Gestaltungszonen oder klar definierte Farbbereiche mit einer horizontalen Ausrichtung helfen also dabei, die Raumhöhe zu relativieren und dem Raum mehr Bodenhaftung zu geben.

Das kann zum Beispiel eine farbige Gestaltung, Tapete oder Vertäfelung sein, die rund Dreiviertel der Wandhöhe einnimmt. Aber auch Stuckelemente in Form von querformatigen Kassetten – besonders schön, wenn sich auch zwischen Wänden und Decke eine Stuckleiste befindet.

 

Hohe Räume niedriger wirken lassen: horizontale Wandgestaltung

3. Nutze dunklere Farbtöne gezielt für Tiefe und Geborgenheit


Hohe Räume vertragen mehr Farbtiefe, als man oft vermutet. Dabei darfst du allerdings die Gestaltung der Decke nicht außer Acht lassen – siehe Punkt 1 auf dieser Liste.

Gedämpfte, etwas dunklere Farbtöne an allen oder auch nur an ausgewählten Wandflächen verleihen dem Raum Substanz und Wärme, ohne ihn zu beschweren. So entsteht ein Gefühl von Schutz und Behaglichkeit.

Einzige Ausnahme: Der Raum ist sehr klein und sehr hoch.

Dann sind dunkle Wandfarben leider keine gute Option, denn du würdest dich dort fühlen, als säßest du in einem Schacht… Wähle in diesem Fall lieber helle und freundliche Nuancen, die du für Wände und Decke gleichermaßen nutzt. Ich denke hier an das typische Altbau-WC, das zwar gern bis zu vier Meter Raumhöhe misst, aber zwischen den Wänden lediglich Platz bietet, sich einmal um die eigene Achse zu drehen.

4. Setze farbige Akzente im unteren Raumbereich


Farben entfalten ihre stärkste Wirkung dort, wo wir uns aufhalten. Akzente im unteren Drittel des Raums verlagern den Schwerpunkt nach unten und lassen hohe Räume wohnlicher und gemütlicher wirken. Dafür eignen sich Teppiche und Polstermöbel. Aber auch höhere Stauraummöbel und Bilder, die in Augenhöhe an der Wand hängen.

Ein Fehler, den ich besonders in hohen Räumen immer wieder sehe: Bilder, die viel zu hoch an den Wänden angebracht wurden. Wenn du den Kopf in den Nacken legen musst, um das Bildmotiv komplett zu erfassen, hängt es zu weit oben!

 

Hohe Räume niedriger wirken lassen: Farbige Akzente im unteren Raumbereich

5. Schaffe visuelle Ruhe mit wiederkehrenden Farbtönen


Wiederkehrende Farbtöne verbinden die verschiedenen Ebenen eines hohen Raums miteinander. Sie führen den Blick sanft durch den Raum und schaffen ein ruhiges, stimmiges Gesamtbild, das Höhe nicht betont, sondern harmonisch einbindet.

Sorge also dafür, dass sich die Farben von Möbeln, Textilien und Accessoires mehrfach in deinem Raum wiederholen. Das gilt besonders für Pendelleuchten, die du unbedingt einplanen solltest, um den „Luftraum“ zu füllen. So entsteht ein schöner Rhythmus, der alle Raumbestandteile geschickt zusammenhält.

Praxis-Tipp Farbgestaltung – nicht nur für hohe Räume


Zum Abschluss noch ein Praxis-Tipp, den du bei der Farbgestaltung hoher (und oft auch großer) Räume unbedingt beherzigen solltest:

Hohe Räume entfalten ihre Wirkung dann am schönsten, wenn ihre Höhe bewusst begleitet wird. Damit du trotz der luftigen Höhe nicht die Bodenhaftung verlierst, empfehle ich dir einen natürlichen und nicht zu hellen Bodenbelag.

Ob Holz, Kork oder Wolle – eine warme Farbnuance und ein natürliches Material bringen Weite und Geborgenheit in Einklang. Damit der hohe Raum nicht nur beeindruckt, sondern sich auch behaglich anfühlt.

So wirken hohe Räume optisch niedriger – kurz zusammengefasst

  • Hohe Räume profitieren von einer abgetönten Deckenfarbe – sie wirken dadurch niedriger
  • Mit einer horizontal ausgerichteten Wandgestaltung sorgst du für optische Weite – der Raum wirkt automatisch weniger hoch
  • Streiche gedämpfte Farbtöne an die Wände und stimme die Deckenfarbe darauf ab
  • Mit farbigen Akzenten im unteren Raumbereich lenkst du von der Raumhöhe ab
  • Wiederkehrende Farben in den verschiedenen Raumhöhen sorgen für Ruhe und Zusammenhalt
  • Nutze warme Farben und natürliche Materialien für den Bodenbelag

Dieser Beitrag ist Teil meiner Serie zur Farbwirkung in Räumen. Zur Serie gehören außerdem:

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